Montag, 30. November 2009

Hi...


Ich habe Post von meinem Steuerberater bekommen.
Dem, mit der echten Kunst an den Wänden.
Und der Brief begann mit den Worten:
"Sehr verehrte Frau S."
Der Mann weiß, was sich gehört.
Ich bin da ja sehr empfindlich mit den jeweils gewählten schriftlichen Anredeformen.
An erster Stelle aller möglichen Fauxpas steht bei mir: "Hi"
Dicht gefolgt von : "Hallo"
Besonders Männer tun sich ja schwer mit so was persönlichem wie ner Anrede.
Da kann man noch so sehr befreundet sein, intim sein, richtig intim sein,
sich täglich sehen,Tisch, Bett und Kühlschrank teilen.
Männer bleiben bei einem Briefwechsel bei der Anredeform:"Hi"
Wovor haben sie Angst?
Ist der Beginn einer SMS mit : "Liebe..." schon in ihren Augen ein offizieller Heiratsantrag?
Sozusagen der Anfang vom Ende?
Haben sie Sorge, dass beim Eintippen des Wortes :"Liebe..."
automatisch Handschellen aus dem tragbaren Telefonhörer kommen?
Nach dem Motto:"Das wars.Nun sitzt du in der Falle.Du hast eine Nachricht mit dem verbotenen Wort begonnen."

Wir Frauen sind da anders.
Wenn wir uns schreiben dann mit den Worten:
Liebe...Allerliebste...Schönste...Kluge...Süsse...Meine Liebe...Tapfere...
Und wir wissen, dass wir uns deswegen nicht heiraten müssen.

Ja, und mein Steuerberater, der darf mich auch "Sehr verehrte..." nennen.
Bei "Hi" würde ich sofort die Kanzlei wechseln.

Mittwoch, 25. November 2009

Nun hängen sie wieder


Seit Wochen- was sage ich- seit Monaten deutet alles darauf hin, dass die Weihnachtszeit unaufhaltsam näher rückt.
Spätestens, als in unserem örtlichen PLUS Ende August die Spekulatius nahe der Kasse aufgebaut wurden, spätestens da hätt ich mich ja mal langsam auf Weihnachten einstimmen können.
So hats mich wieder einmal völlig unvorbereitet erwischt.
Was?
Schon wieder ein Jahr um?
Was schenke ich wem, warum und wieviel?

Ja, und nun hängen sie wieder, die Nikoläuse.

An Häuserfassaden, neben Fenstern, an Regenrinnen.
Die Armen.
Sie sehen so unglücklich aus.
Die meisten der roten Gesellen wurden am Hals aufgehängt.
Sieht weder weihnachtlich, noch einladend aus.
Was wollen die Menschen damit nur zum Ausdruck bringen?
"Lieber Nikolaus-kehre auf keinen Fall bei uns ein, du siehst ja an deinem Kollegen, wo das endet"
"Lass es dir ne Warnung sein"

Das ist doch eigentlich unmissverständlich, und meines Wissens eine in unserer Menschheitsgeschichte häufig praktizierte Abschreckungsmethode,
die ganz klar zum Ausdruck bringt:
Du bist hier nicht erwünscht.

Na ja, bei unseren Nachbarn hängen gleich ne ganze Armee solcher armer Gesellen.
In Plüsch, Aufgeblasene, Beleuchtete, in Begleitung von Rentierschlitten, Elchen und anderen Lichtgestalten. Schneemänner und Schneefrauen hängen ebenfalls mit herum.
Es blinkt und strahlt so gewaltig, dass ich in dieser heiligen Zeit zumindest keine umständliche Wegbeschreibung zu unserem Haus verfassen muss.
Wir wohnen direkt neben dem ultimativen Weihnachtshaus.
Ganz leicht zu finden.
Und bekommen dadurch auch etwas vom weihnachtlichen Glanze ab.
Umsonst.
Danke.


.

Dienstag, 24. November 2009

Vom Lesen

Also

Ich bin ja ein lesender Mensch.
Und ich gestehe: dies ist durchaus auch eine Form der Sucht.
Exzessives Lesen.
Man steht damit gesellschaftlich zwar besser da, als exzessive Trinker oder Raucher, aber ein süchtiges Verhalten ist es durchaus, wenn man keine S-Bahnfahrt ohne Buch übersteht; auf dem Beifahrersitz stets eines griffbereit hat und sich über jeden noch so kleinen Stau freut- ja freut, denn man könnte ja mal eben ein paar Seitchen lesen...
Bedenklich ist es ebenso, wenn man schon beim Gedanken an eine bücherfreie Zeit Schweißausbrüche bekommt.
Ja, ich bekenne: ich habe so manche Bahnstation versäumt, weil ich zwischen zwei Pappdeckeln verloren ging.
In Buchgeschäften erkenne ich andere Süchtige an diesem gewissen Wahnsinn in den Augen beim Durchstöbern der Neuerscheinungen,
an den zärtlichen Berührungen, Hände, die wie zufällig über Buchrücken streicheln;den angewiderten Blick, der zu eingeschweißten Exponaten geworfen wird.
Gibt es etwas schöneres, als ein niegelnagelneues Buch aufzuschlagen?
Den Geruch eines jungfräulichen Buches tief in sich einhauchend hinabzutauchen in eine Geschichte; sich hingebungsvoll zwischen den Zeilen zu verlieren.

Das Problem ist nur: Es geht nicht mehr ohne Lesebrille.
Sehr ärgerlich.
Sehr lästig.
Sehr dämlich anzusehen.
Ich kenne niemanden, dem so ein Ding steht.
Immer sitzt sie falsch, oder ist unauffindbar- von hoffnungslos verschmutzt ganz zu schweigen.
Und hilflos fühlt man sich auch, ausgeliefert.
Und wehe, man vergisst sie!
Dann geht gar nichts mehr.
Vollkommen verzweifelt stand ich neulich abends an einer Bushaltestelle.
Versuchte den Fahrplan zu entziffern
Ohne Lesebrille.
Kein Mensch weit und breit.
Niemand, der mir seine Lesehilfe reichte, oder mir sogar den Plan vorlas.

Musste dann laufen...

So weit ist es also gekommen.
Man fragt sich schon, ob das die Folge der Lesesucht ist.
Sowas wie ne Leberzirrhose.
Halt die Krankheit der Leseratten.

Apropos Ratten-
Ich habe gerade ein wunderbares, ausgesprochen poetisches Buch über eine Ratte gelesen.
Ne echte Ratte.
Eine, die in einer Buchhandlung zur Welt kommt und sich nach und nach durch die gesamte Weltliteratur liest.
Sehr zu empfehlen.
FIRMIN- EIN RATTENLEBEN
von Sam Savage

viel Freude beim Abtauchen...

Sonntag, 22. November 2009

SOCKEN !!!!!

Ich weiß ja nicht, wie das in anderen Familien so ist, aber wir haben ein Sockenproblem.
Und wenn man so ein wirkliches Problem hat, soll das coming-out dabei eine nicht zu unterschätzende Größe sein.
So als Heilung.
Drum nochmal.
Wir haben ein Sockenproblem !
Egal wie sehr ich aufpasse - spätestens nach 3 - 4 Tagen sind ursprünglich
glückliche Sockenpaare unwiderruflich getrennt.
Selbst wenn ich sie unter Aufsicht neutraler Zeugen gemeinsam in die Waschmaschine lege kommen sie einzeln-zwar sauber gewaschen, aber halt allein wieder heraus.
Ich verstehe es nicht.
Wie kann so etwas geschehen?
Ist dies ein echtes Mysterium?
Eine der letzten großen Menschheitsfragen?
Muss man es philosophisch betrachten?
Die Socke als Schicksalsgemeinschaft, und nach gemeinsam erledigter Aufgabe geht jede ihren Weg alleine weiter...
Nur:wohin ?
Gibt es doch so etwas wie eine Sockenfee, so ähnlich wie die Zahnfee?
Vielleicht bringt die Sockenfee Kindern auf der anderen Seite der Welt jeweils eine Einzelsocke für einen Zahn.

Erschwerend kommt hinzu, dass 3 meiner Kinder die gleiche Schuhgröße wie ich haben.
Das bedeutet, dass ich meine Lieblingssocken verstecken muss.
Und morgens im Halbschlaf die verhüllten Füße meiner Kinder begutachte, meistens aber nicht die Kraft habe, ihnen meine Socken zu entreißen.
Hat ja sowieso keinen Sinn.
Spätestens morgen sind sie eh vereinzelt.
Ja, es lohnt sich auf jeden Fall uns sockentechnisch genauer zu betrachten.
Wilde Farb- und Musterkombinationen stecken da verborgen in Stiefeln.
Zu diesem Problem kommt erschwerend hinzu, dass unser Hund Negrita, genannt Grindel, ein echter Schuhfetischist ist.
Sie liebt Schuhe!
Und schleppt sie- einzeln- zu ihrem Lager.
Bearbeitet sie liebevoll mit Zähnen, vergräbt sie, versteckt sie und hütet sie.
An den wirklich harten Tagen suchen wir also nicht nur zusammen passende Socken, sondern auch zusammen passende Schuhe.
Aber ich gebe nicht auf.
Die Gralssuche geht weiter.



Wenn es schneit, dann klopft mein Herz vor wilder Freude.
Wenn die Sonne scheint, dann freut sich besonders mein Basilikum.
Wenn es regnet, dann erstrahlen meine Dachfenster um die Wette und gewähren mir den rechten Durchblick.
Wenn ich Musik mache, dann entschwinde ich in die Welt jenseits der Noten.
Wenn ich fröhlich bin, dann breite ich eine wärmende Decke über alles.
Wenn ich traurig bin, dann besuche ich mich selbst.
Wenn ich liebe, dann so als hätte ich die Liebe erfunden.

Freitag, 20. November 2009

Also

Gestern hatte ich so ne richtig gute Idee.
Weihnachten steht ja praktisch schon vor der Türe, greifbar nahe.
Und da wollte ich in aller Ruhe, von zu Hause aus, ein paar Geschenke aus dem Boden stampfen.
Fotobücher sind ja jetzt der Renner.
Die eigenen Erlebnisse in gebundener Form.
Professionell.
Persönlich.
Originell.
Und ganz einfach.
Und ganz schnell.
Sozusagen das ideale Geschenk.

Man muss sich nur so ne Software runterladen.
Kostenlos.
Man brauch nur den dargestellten Code in das darunter liegende Textfeld
eingeben.
Eine sechsstellige Zahl.
Dabei muss man allerdings die Groß- und Kleinschreibung beachten.

Ich hab alles versucht.
Den Anfangsbuchstaben groß geschrieben,
den letzten klein.
Immer war der von mir eingegebene Code falsch und eine neue Zahl erschien.
Schreibt man eigentlich Hundert oder Einhundert?
Hab alles versucht.

Ich habe versagt
.
Ich bin nicht in der Lage einen ALDI Download zu bewältigen.
Darf ich eigentlich nicht erzählen...
Ich kaufe ja ab und an auch bei Aldi ein.
Gezwungenermaßen.
Und wenn ich in den ewiglangen Schlangen vor der Kasse stehe, betrachte ich auch gerne die Menschen um mich herum.
Lange schon sind es nicht mehr nur die Armen, oder Geizigen, die in diesem Discount einkehren.
Es ist wohl auch chic geworden, so ne art Outing.
Seht alle her-ich bin mir nicht zu fein für Aldi!
Ich trage zwar Prada, Hilfiger und so-aber-ist so schön lebendig hier.
Und das Orange des Firmenlogos auf der Tüte passt ausgesprochen gut zur neuen Dolce und GabbanaTasche.
Die Entenbrust aus Polen schmeckt sogar.
Wenn man beim Prosecco die Augen schließt perlt er auch herrlich leicht die Kehle runter.

Ob die wohl alle in der Lage sind so einen Code richtig einzugeben?

Wow!

Auch die, die lauthals nach Kevin und Chantalle schreien?
Hätt ich jetzt so direkt nicht vermutet.
Von nun an werde ich mir die Menschen bei Aldi genauer anschauen.
Ehrfurchtsvoller.

Man lernt halt nie aus.




Donnerstag, 19. November 2009

Mein Steuerberater und ich


Also

Die Tage war ich bei meinem Steuerberater.
Ja, auch ich habe jetzt einen Steuerberater.
Und zwar nen richtig Guten!
Das strahlt er zumindest aus.
Anzug- dezente Farbwahl.
Echte Kunst an den Wänden-also keine Drucke und so.
Ein Foyer mit mehreren Empfangsdamen, Ikebanagestecke-weniger ist mehr-und noch mehr Kunst. Die Damen tragen Headsets-allzeit bereit.

Wir haben uns köstlich amüsiert.
Mein Steuerberater und ich.
Ich bekam Cappuccino gereicht, oder war es Cafe Latte? Dezent von einer seiner Gehilfinnen herbeigezaubert.
Dazu the queen of tablewater.
Und Schokolade-diese designte Mit ganz viel Kakaoanteilen.
Also alles ganz dezent.

Er-MEIN Steuerberater-war nicht wirklich vorbereitet auf mich.
Auf jemanden meiner Gattung.
Für die Geld nicht die Welt ist.
Für die Geld einfach zum Ausgeben da ist.
Die das Sammeln von Quittungen für kleinlich, geizig und lästig halten.
Die nicht im Traum daran denken ne Lebensversicherung abzuschließen.
Am Ende der Stunde haben wir dann philosophiert.
Über den Sinn des Lebens, Gott, Kunst, Dadaismus und Kinder.
Hat mir gut gefallen. Jetzt versteh ich auch,warum alle immer zu ihrem Steuerberater wollen.


Mittwoch, 18. November 2009

Auf den Hund gekommen



Also neulich, da war ich mit meinem Hund Negrita, genannt Grindel, im Wald.
Ein wirklich schöner Wald.
Wenn nur die Autobahn nicht so nah wäre, aber man kann ja bekanntlicherweise nicht alles haben.
Grindel, die ihre Freiheit über alles liebt, und ich, die die Freiheit ebenso liebt und drum Grindels Bedürfnis nach selbiger auch gut verstehen kann - wir beide also genießen die waldige Stimmung sehr.
Und wider besseren Wissens lasse ich sie los.
Von der Leine.
In die Freiheit.
Die wir beide so schätzen.
Nur, dass Grindel halt nicht ganz so gut hört.
Also auf mich meine ich.
Im Allgemeinen schon.
Wenn zum Beispiel unser polnischer Kühlschrank geöffnet wird, hört sie das noch in ihrer tiefsten Tiefschlafphase, und steht in Sekundenschnelle mit herzzerreißendem Blick neben einem.

Naja,aber jetzt ist sie weg und reagiert auf kein Pfeifen und Rufen und Drohen und Anflehen.
Da höre ich aus der Ferne ein mir bekanntes Bellen.
Aber wirklich ganz weit weg.
Um genauer zu sein kommt das Bellen aus der Erde.
Kann das sein?
Grindel steckt in einem Fuchsbau.
Na prima, da weiß ich wenigstens, wo sie ist.
Mit meinem rechten Arm, dem sogenannten Grindelarm(er ist schon ein wenig länger geworden durch solche Aktionen) packe ich sie, ziehe sie raus und will nur noch eines:

Mit diesem Hund sofort eine Hundeschule besuchen!!

Zu hause, im örtlichen Branchenverzeichnis, entdecke ich dann, dass es in unserem Städtchen mehr Hundeschulen als städtische Grundschulen gibt.

Das gibt mir doch sehr zu denken.

Ist nach der Pisastudie jetzt auch der Deutsche Hund dran?
Gibt es einen Rückschluss, ja einen Zusammenhang zwischen deutschen Schülern, deutschen Lehrern und deutschen Hunden?

Was erwartet mich?

Hat mein aus Spanien kommender Hund überhaupt ne Chance?
So als Ausländer mit all seinen Problemen.
Wurzellos.
Hungrig.
Womöglich verfloht.
Wird sie gemobbt werden?

Mutig wähle ich die Nummer einer nahegelegenen Hundeschule, deren Telefonnummer ich aus Datenschutzgründen jetzt leider nicht weitergeben kann.
Schon am Hörer komme ich ins Schwitzen.

Wie verhält sich der Hund beim Spazierengehen?
Geht sie vor mir?
Rechts von mir,
Links von mir?
Oder etwa doch vor mir?
Im besten Fall natürlich hinter mir, nicht wahr, das wissen sie doch??

Was, wann, wieviel, von welchem Biometzger bekommt sie zu fressen?

Was für Befehle befolgt sie?

Wie ist ihr Verhalten beim Heimkommen?
Sie darf natürlich erst nach meiner Aufforderung und lange nach mir in die Wohnung.

Oje,wenn ich jetzt die Wahrheit sage...
Dass Grindel natürlich immer die Erste in der Wohnung ist.
In ihrer Wohnung, in der wir zufällig auch leben.
Sie will schließlich vor mir aufs Bett springen, bevor ich sie abtrocknen kann.
Verständlicherweise.
Abtrocknen hasst sie nämlich.
Sich in so einem kuscheligen Bett trockenzureiben ist viel gemütlicher.
Verstehe ich auch.
Aus ihrer Sicht.

Dankend beende ich das Gespräch.
Kein Wunder, dass wir in dieser Pisastudie so mies abgeschlossen haben!







Dienstag, 17. November 2009

Weniger ist mehr...


Manchmal überkommt mich so ein Gefühl des" Zu-viel-um-mich-herum-haben".
Das Bedürfnis nach Luft und erwartungsvoller Leere überkommt mich dann.
Meistens wird dann mein Wunsch nach Reduktion auch erfüllt; und prompt geht was kaputt.
Allerdings natürlich das, von dem ich mich auf keinen Fall trennen wollte.
Zum Beispiel unser Kühlschrank.
Der einfach nicht mehr wollte.
Das viele Öffnen und so.
Gemeinerweise hat er sich mitten im Sommer zur Ruhe gesetzt.
Die Kombination von absoluter Hingabe ans Leben und kein Geld bescherte uns also die Erfahrung, dass sogar H-Milch schlecht werden kann.
Bis dann eines Tages meine Freundin Katja reagierte.
Sie kennt da so ne Frau, die ihr im Haushalt hilft.
Polin.
Deren Freund, ebenso aus Polen stammend und zwischen Deutschland und seiner Heimat hin- und her pendelnd, der hat einfach alles.
Für jedes Problem ne Lösung.
Kann alles reparieren.
Kann alles besorgen.
Am selben Abend noch sprach ich mit der Freundin dieser polnischen Lichtgestalt.
Hab nur so angedeutet, was wir brauchen.
Halt nen Kühlschrank.
Und dass sie vielleicht nen Kontakt herstellen könnte.
Deutsch-polnische Verbindung.

Am nächsten Morgen klingelte es an der Türe.
"Hier Janusz aus Polen.Mit Kuhlschrank"
In meinen kühnsten Träumen hätte ich mir so etwas nicht erhofft.
Ein handelnder Mann.
Ein schneller Mann.
Ein starker Mann.
Woher kannte er überhaupt meine Adresse??
Egal.
Strahlend und verschwitzt, da er den Kühlschrank ja auch mal eben allein die vier Stockwerke hochgeschleppt hatte, stand er vor mir.
Was für ein Mann!
Mein neuer Kühlschrank neben sich.
Der hatte nur an der Seite ne ganz kleine Beule.
Is auch egal.
Wahrscheinlich beim "Vom Laster runterfallen" passiert.
Aber wirklich ein Schnäppchen.
Da wir ja leider nicht die Möglichkeit hatten im Vorfeld miteinander zu telefonieren, musste er nur noch schnell die Türe umbauen.
Von rechts nach links.
Was von der störenden Fußleiste am Boden wegsägen. Und an der rückwärtigen Wand mit Moltofil ein durch das schnelle Handeln entstandene Loch zukleistern.

Janusz ist seit dem mindestens einmal im Jahr bei uns.
Und er brauch von Polen zu uns nur halbsolang, wie der Kundenservice von AEG, der drei Straßen weiter seine Niederlassung hat.

Meine Schattenfreunde aus Aschaffenburg, Seattle, Wien, Santander, Köln und Berlin mögen sich jetzt amüsiert an unseren gemeinsamen Workshop in Bamberg erinnern.
April 2009
Nach stundenlangem Abtauchen in Schattenspiele hatten wir nur eines:
HUNGER
Und den Wunsch nach:
Durchgehend warmer Küche

Letztendlich haben wir dann hartgebackene bayrische Salzbrezeln mit ein paar Gläsern Schlenkerla runtergespült und uns die trockenen Krümel warm gedacht.
Seitdem habe ich eine besondere Beziehung zu diesen verheißungsvollen Schildern, die liebevoll vor deutschen Gasthäusern hängen.

Durchgehend warme Küche

Manchmal ertapp ich mich dabei, wie ich vollen Bauches mit dem Gedanken spiele hineinzugehen in so ein Restaurant.
Nur so.
Weils so schön ist, ich meine die Möglichkeit, also, durchgehend.
Und wir doch letztendlich alle davon träumen...

Und mein Erstgeborener es auch lebt.
So in echt.
In meiner Küche.
Sei es zum Frühstück um 14.00,
seis zum Glücklichwiederheimkommen um 4.00-
es wird warm gegessen.
Da ist keine Pasta sicher, jedes Ei wird gefunden und sogar Erdnussbutter wird versuchsweise erwärmt.
So als Dipp, oder Soße zur Pasta.
Halt ganz kreativ.
Jamie Oliver läßt grüßen.
Wer räumt eigentlich bei dem hinterher alles wieder weg?
Ja, selbst unser Hund Negrita, genannt Grindel, schwarz, klein, kurzbeinig,
ewig hungrig, da auf Spaniens Strassen aufgewachsen, liebt es warm zu essen.
Obwohl sie draußen, auf hiesigen deutschen Straßen, alles, wirklich alles frisst.
Jede verwaiste Schulbrottüte wird unter parkenden Autos hervorgezerrt.
Kaugummis werden geduldig vom Gehweg geklaubt, Coffee to go- bevorzugt noch lauwarm- wird hingebungsvoll geschlürft.
Ja, sie passt in unsere Familie.
Und zu unserer Vorliebe fürs Warme.
Zu unserer Vorliebe für warmes Essen.

Das man zuvor allerdings erstmal aus dem Kühlschrank holen muß.
Die ganzen Zutaten und so.
Apropos Kühlschrank...
Ich weiß ja nicht wie es in anderen Familien so ist, ich meine mit dem Kühlschrankverhalten.
Unser Kühlschrank wird täglich so ungefähr 549 mal geöffnet.
Allerdings nur ungefähr 500 mal wieder geschlossen.
Warum , weiß ich auch nicht.
An erster Stelle beim Öffnen, Suchen und Finden steht meine Tochter F, 13.
Morgens im Halbschlaf widmet sie sich ihm schon die ersten Male.
Schlaftrunken werden da Marmeladen und Puddings umgeschichtet.
Begutachtet.
Um sie dann angewidert stehen zu lassen.
Dann beim Heimkommen.
Jacke noch an, Telefon aber schon zwischen Ohr und Schulter geklemmt-
hat sie daher wohl ihre Verspannungen-muss sie dringend die wichtigsten News zwischen Verlassen der S 8 und dem Einsteigen in die S 11 mit ihrer Freundin besprechen, die sie gerade erst verlassen hat, aber das wesentliche mangels Zeitnot nicht mitteilen konnte.
In dieser Stimmung also wird der Kühlschrank aufgerissen, zugeknallt, aufgerissen, zugeknallt, aufgerissen, zugeknallt.
Was sucht sie?
Ihr Handy?
Die Voltarensalbe für ihre Verspannungen?
Den Weltfrieden?
Mama, was gibts zu essen?
Doch hoffentlich was Warmes??