Mittwoch, 9. Dezember 2009

Von Abba bis Zappa


Also,

neulich, da war ich tanzen.
Ist ja gar nicht so einfach, eine gute location dafür zu finden.
Entweder man liegt altersmässig so weit überm Durchschnitt, dass einem die Jugendlichen unter die Arme greifen und zu einer Sitzgelegenheit führen wollen.
Oder die Musik ist so laut, schräg und basslastig, dass einem noch Tage später spastische Zuckungen durch den Körper fahren.

Dann gibts ja seit ein paar Jahren diese Ü-Partys.
Ü- 30
Ü- 40
Weiter wird nicht gezählt.
Wahrscheinlich können sich die Veranstalter dieser Partys ein Leben jenseits der 40 nicht vorstellen.

Ich war auch schon dort.
Und zwar Ü-30 und Ü-40

Besonders bei der Ü-40 Party war der Altersdurchschnitt so bei 22.
Und die Musik hangelte zwischen House, ExtremHouse und Wolfgang Petry.

Na da war ich doch mehr als erleichtert, als in einer linkslastigen, ortsansässigen Kneipe ein Event angekündigt wurde:

VON ABBA BIS ZAPPA

Tanzen, was das Zeug hält.

Ich habe mich dann auch gleich auf die Tanzfläche gestürzt.
Dafür war ich ja gekommen.
Zum Tanzen.
An der Theke saßen etwa 7 melancholisch dreinblickende Männer.
Alle starrten auf die Tanzfläche.
Also auf uns Tanzende.
Fast alles Frauen.
Bis auf einen Althippie, der seine Haare wild schüttelte und ganz geschmeidig seinen Körper bog.
Der Erste der Thekenhocker fasste sich ein Herz und schlenderte lässig zu mir.
"Magst du tanzen?"
Was für eine Frage- ich tat es doch...

Und ohne eine Antwort von mir abzuwarten nahm er mich in den Arm.
Denn er hatte beschlossen mit mir den guten, alten Foxtrott zu tanzen.
Aber zu David Bowie tanze ich keinen Fox.
Kann ich gar nicht.
Er begann dann aus seinem Leben zu berichten.
Warum er mit 49 noch zu Hause leben würde.
Hotel Mama.
Und dass ich die erste Frau wäre, die mit ihm freiwillig tanzen würde...
Oje.
Da war ich dann schon an meinem Helfersyndrom gepackt.
Liebevoll hab ich ihn wieder zu seinem Barhocker geführt, und ihm als aufmunternde Geste auf den Rücken geklopft.

Der nächste versuchte es doch tatsächlich mit seiner Mickey Mouse Sammlung, die er zu Hause hätte.
Und die er mir wahnsinnig gerne zeigen würde.

Dann kam ein Herr mittleren Alters- so knapp unter 60.
Gepflegt.
Mit Anzug.
Siegelring.
Er kam genau auf mich zu.

"Baby, ich mag es nicht um den heißen Brei herumzureden.
Komm einfach mit zu mir.He, bleib locker, ja, du musst doch auf ne höfliche Anfrage nicht gleich so zickig reagieren..."

Verdammt. Wo war ich hingeraten?
Ich wollte doch nur tanzen!
Gab es da einen Subtext, den ich nicht verstanden habe?
Von Abba bis Zappa.
War das eine Singleparty, und zwar so eine für die wirklich Suchenden?
Letzte Tankstelle vor der Autobahn?

Gerade als ich gehen wollte, kam ein Typ auf mich zu.
Groß.
Schwankend.
Von oben bis unten tätowiert.

"He, ich bin Uli und ich steh auf Tattoos.
Was bist du für ne Lichtgestalt?
Ich habe beschlossen, mich mit dir heut Abend zu betrinken."

Wow, mal jemand, der nicht mit mir tanzen wollte.
Ich dankte ihm höflich.
War irgendwie nicht in der rechten Stimmung.

Werd wohl doch wieder daheim in der Küche tanzen.
Da belästigt mich dann nur Grindel.







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