Sonntag, 6. Dezember 2009

Theater


Also,

Das ist ja immer so eine etwas heikle Angelegenheit - eine Premiereneinladung bei Kollegen.
Mit anschließender Premierenfeier.
Dies kann mitunter eine echte Herausforderung sein.
So oder so bewegt man sich auf dünnem Eis.
Erst der doch immer wieder erhebende Moment, wenn es im Theatersaal dunkel wird.
Und erwartungsvolle Stille eintritt.
Für mich jedes Mal ein Gefühl wie zu einst an Weihnachten.
Aber noch während der kurzen Phase der Dunkelheit beginnt man innerlich Stoßgebete zu verfassen: Lieber Gott, lass es bitte ein gute Inszenierung sein.
Es gibt nichts qualvolleres, als schlechtes Theater, das man nachher auf der Premierenparty kommentieren muss.
Unter Kollegen.
Mit Küsschen rechts und links.
Natürlich erwartete jeder ein paar Worte des Lobes, der Lobhudelei.
Im besten Fall sind schon alle betrunken und der gnädige Schleier der Amnesie breitet sich über allen Beteiligten aus.
Meistens aber steht man da mit einem Glas Prosecco in der Hand, duzt alle selbstverständlich, nennt alle Liebelein ( auch den neuen Intendanten dieses Hauses, denn noch schlimmer wäre es , seinen wichtigen Namen nicht zu wissen) lächelt in den Runde, während das Gehirn auf Hochtouren läuft.
Falls einem die Inszenierung des Kollegen nämlich nicht gefallen hat.
Was sage ich?
Und wie?
Es gibt da so ein magisches Wort bei Theaterleuten.
Das lautet. SPANNEND

Spannend kann alles ausdrücken.
Spannend kann sagen: Dies war die beschissenste Aufführung, die ich je gesehen habe...spannend zu erfahren, wie dir das gelungen ist.
Oder: spannend, welche Lügen mir gleich einfallen werden, um aus dieser Nummer rauszukommen.
Spannend, dass du dafür bezahlt wirst.
Aber auch:spannend, weil wirklich spannend und originell.
So bleibt es denn auch für alle Beteiligten spannend, welche Wahrheit wohl diesmal dahinter steckt.
Man prostet sich zu und routiniert kommt es auch schon über die Lippen:
"Spannend, Liebelein"
Dann schnell zum Buffet, denn es gibt nichts Hungrigeres, als ne Horde Theaterleute.

Ich zucke jedenfalls immer zusammen, wenn jemand meine Arbeit als spannend bezeichnet.



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