Dienstag, 15. Dezember 2009
Nachbarschaft
Es gibt ja die unterschiedlichsten Formen der Nachbarschaft.
Manch eine basiert auf Höflichkeit und Hilfsbereitschaft,auch auf Abneigung- versteckt oder offen.
Bei uns im Haus läuft das anders.
Wir haben da so unsere Deals.
Angefangen mit unserem wunderbaren Vermieter, der inzwischen in Dubai lebt.
Ein Tag vor der Umsiedlung kam er spontan auf nen Tee vorbei, versicherte mir, dass er auch von Dubai aus mein treuer Vermieter wäre,gab mir ne Notfallnummer von nem Freund und verschwand.
Locker war er von Anfang an.
Jenseits von irgendwelchen Auswahlverfahren über Einkommensnachweise, Schufa-angaben und ähnlichem hat er uns als Mieter ausgewählt.
Weil wir in seine Wohnung so gut passten.
Er zuckte nicht mit der Wimper, als ich ihn eines Tages in höchster Not anrief, Telefonhörer in der einen, Putzlappen in der anderen Hand.
Spülmaschinensupergau.
Literweise schwärzliches Wasser floss in die Küche.
Und nicht nur in unsere.
Auch die Nachbarn von unten standen schon unter Wasser.
Freitag, 13 Uhr.
Das deutsche Handwerk befand sich schon im Wochenende.
Wir auf dem Weg Richtung Heimaturlaub.
Mein Vermieter empfahl mir die Spülmaschine einfach zu schließen und zu gehen.
Er würde sich um alles kümmern.
Putzen, reparieren u.s.w.
So einen Vermieter hatte ich noch nie!
Dafür belästige ich ihn auch nicht mit der Ausbesserung kleiner Schönheitsfehler.
Schlägt man in die Außenwände Nägel, so hat man denn schon mal ein faustgroßes Loch in der Wand.
Ich stopfe da immer Wolle rein.
Nach meiner Erfahrung hält das ziemlich gut.
Ich nerve ihn auch nicht damit, dass er angefangene Arbeiten zu Ende bringen soll.
So ein kleinliches Verhältnis haben wir nicht.
Im Badezimmer stehen Kacheln an der Wand, Werkzeug griffbereit
daneben-er wollte nur mal schnell Zigaretten holen.
Fußleisten lehnen an den Wänden-er wollte das eigentlich gestern schnell anbringen.
Dafür sagte er auch nichts, als wir plötzlich auf den Hund gekommen waren.
Ich hingegen stunde ihm großzügig Jahresabschlagsrückzahlungen.
Das Leben in Dubai ist teuer.
Er sagt dafür nichts, wenn obdachlose Punks bei uns wochenlang unterkriechen.
Ja, und diese Art von Agriements herrschen im ganzen Haus.
Zwei unter uns wohnt Juri.
Aus Kasachstan.
Ein wahres Original.
Camouflagekleidung kombiniert mit selbstgestrickten Stulpen und dicken Goldkreuzen.
Und eingehüllt in östliche Melancholie.
Wann immer ich ihn treffe und mich nach seinem Befinden erkundige bekomme ich zur Antwort:
"Hauptsache ich läbe."
Und dies mit wahrer Leidesmiene und gebrochener Stimme vorgetragen.
Jedesmal höre ich heraus:"Hauptsache, es ist bald vorbei."
Die Tage, da war er in wirklicher Not.
"Ich habe keine Verbindung zum Kosmos.
Du musst mir helfen."
Dass Juri über meine guten Verbindungen zum Kosmos wusste, erstaunte mich doch etwas.
"Du bist näher an Kosmos.
Ich habe neue Satellitenschüssel.Aber geht nicht.Du hast Dachterasse.
Ist nah am Himmel und Kosmos.
Kann ich bauen bei dir Verbindung?"
Ich habe selbst keinen Fernseher.
Und hasse diese Schüsseln.
Andererseits mag ich Juri.
Und witterte die Chance auf einen Deal.
Außer Juris Lieblingsatz:"Hauptsache ich läbe.", gab es noch einen anderen immer wiederkehrenden Satz.
"Hast du Hund, musst du putzen Treppe."
Wir haben uns geeinigt.
Seine Verbindung zum Kosmos steht.
Auf meiner Dachterasse.
Und ich muss nicht mehr die Treppe putzen.
Das nenne ich eine gut funktionierende Nachbarschaft.
Hauptsache, wir läben.
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