Sonntag, 6. Dezember 2009
Nikolaus
Also,
gestern war ja Nikolaus.
Ein Ereignis, das ich seit Jahren innigst zelebriere.
Um genau zu sein, hat mein Nikolausfestausschuss dieses Jahr sein 20jähriges Jubiläum.
Für mich reicht es nicht, meinen Kindern einfach in der Nacht zum 6. Dezember ihre geputzten Stiefel zu füllen.
Nein, bei uns kommt der Nikolaus höchst persönlich.
Aber da mir jeder irdische Nikolausdarsteller zu leihenhaft, unwürdig und unglaubwürdig erscheint, mach ich es ganz raffiniert.
Er kommt zwar zu uns, aber wir sehen ihn nie.
Er klopft immer nur kräftig an die Türe.
Und wenn wir dann schauen, dann stehen da seine Gaben.
Und zwar die klassischen.
Äpfel, Nüsse, Mandelkern.
Brennende Kerzen.
Diese kleinen, wunderbaren Schokoladepäckchen.
Natürlich ein Schokoladennikolaus.
Im Laufe der Jahre hat sich da etwas aufgebaut.
Nicht nur eine wunderschöne Stimmung, sondern Nikolausstress.
Denn ich bin Wochen zuvor schon auf der Suche nach den perfekten Nüssen.
Es dürfen natürlich nicht die üblichen sein.
Die kalifornischen sind zu amerikanisch grosskotzig und sauber.
Das würde der Nikolaus sicher nicht gutheissen.
Ich arbeite schließlich in seinem Namen.
Die heimischen aus dem eigenen Garten sind zu schmutzig.
Das würde er auch nicht wollen, das würde womöglich auf ihn zurückfallen.
Also bin ich ersteinmal auf der Suche nach den ultimativen Nüssen.
Die muss ich dann noch bearbeiten.
Mit einem Hauch Goldglanz.
Dies ist nicht so einfach, sie dürfen nicht komplett gülden sein, sondern halt eben nur so ein Ahnung von himmlischem Glanz aufweisen.
Das wirkt viel mehr.
Himmelsmandarinen gehören auch dazu.
Himmelsmandarinen sind die, die noch Stil und Blätter aufweisen.
Heute gibts die ja oft, aber früher - oje, da musste ich schon ab und an bis nach Düsseldorf reisen.
Und das Timing muss stimmen , denn kauft man sie zu früh, dann sind am Niklausabend alle Blätter abgefallen.
Dann hat man für nichts die 5fache Summe ausgegeben.
Dann werden Süßigkeiten gesucht, die sich von den anderen absetzen.
Manchmal steht auch ein Knusperhexenhäuschen dabei.
Es gab Jahre, da habe ich versucht eines selbst zu backen.
Hab ich schnell aufgegeben.
Ja, da kann schon mal was schief gehen.
Wir sind jedenfalls schon Stunden vor seinem Ankommen beschäftigt.
Stiefel werden geputzt.
Bilder gemalt.
Wunschzettel geschrieben, die der Nikolaus dann auf direktem Wege in den Himmel mitnehmen kann.
Es wird gebacken.
Für den Nikolaus.
Und für seine Rentiere.
Aber die bekommen eher zuckerreduzierte Haferplätzchen, während der Nikolaus- so jedenfalls unsere jahrelange Erfahrung - lieber die mit Schokolasur hat.
Zusätzlich bekommt er nen Glühwein.
Aber natürlich nicht den billigen Christkindlglühwein, so nen Fusel trinkt man im Himmel nicht, auch wenn dies uns der Name weismachen will.
Nein, der Nikolaus mag Glöög von Ikea - ich übrigens auch.
Wenn wir dann nach stundenlanger Arbeit rechtschaffen müde am Tisch sitzen, lese ich unsere traditionelle Nikolausgeschichte vor.
Immer ungefähr nach der Hälfte muss ich dann mit irgendeiner Ausrede unterbrechen, um heimlich die Nikolausgaben aufzubauen.
Es muss schnell und leise von statten gehen.
Alles muss schön drapiert werden, die Kerzen angezündet werden, die Bilder der Kinder eingesteckt werden, Plätzchen gegessen, Glögg getrunken werden.
Dann gleichzeitig wieder am Tisch auftauchen und kräftig klopfen.
Da kann schon mal was schief gehen.
Im Eifer habe ich schon Preisschilder unter Nikoläusen vergessen, sämtliche Mandarinen waren auf einmal entblättert,Gemälde wurden vom Nikolaus vergessen, Kekse verschmäht, Glühwein über Manderinen geschüttet, zu stark geklopft; und zwar so stark, dass sämtliche Kinder weinend unter dem Tisch lagen.
In einem Jahr war der Hund schneller und hat die Nikoläuse aufgefressen.
Da es für den Nikolaushandlanger immer eine große Anspannung ist, dies alles zu bewältigen, habe ich auch schon auf Helfer zurückgegriffen.
Aber die Anweisung, all die Dinge auf der Treppe zu verteilen, kann schon zu Missverständnissen führen.
Damals hatten wir eine Vorder-und Hintertreppe.
Dass dieser Helfer die Hintertreppe wählte, und die ganzen Gaben dort in den gerade rausgestellten Mülleimer stellte, war ja nicht zu ahnen.
Ein anderes mal kam ich auf die Idee, den Nikolaus doch auftreten zu lassen.
Er sollte, wenn wir die Türe öffnen, nur noch so von hinten zu sehen sein.
Wie er zu seinem Schlitten eilt.
Unser Nachbar hatte einen langen, roten Bademantel.
Ich hätt es halt doch mal proben sollen.
Weil irgendwie hat er es nicht geschafft würdevoll zu verschwinden.
Das Ganze hatte dann eher den Anschein eines fliehenden Mäntelchenöffners, der dann auch noch in der rheinischen Matsche ausrutschte.
Wurde dann aus dem Programm genommen.
Gestern wars dann wieder soweit.
Mein Erstgeborener(21) war erst ein wenig irritiert:
"Mama, ich hab ein wichtiges Date."
Aber an diesem Abend gibt es nur ein Date, das mit dem Nikolaus.
Hat er dann auch eingesehen.
Und bekam schnell wieder seinen Nikolauskinderblick zurück.
Diese Mischung aus Vorfreude und einer unterschwelligen Angst.
Was passiert diesmal?
Fluchtpläne flackern in seinen Augen auf.
Aber spätestens beim Lesen unserer Geschichte sind wir uns alle einig:
Der Nikolausabend ist bei uns am allerschönsten.
Weil zu uns ja auch der echte Nikolaus kommt.
Und nur manchmal verspüre ich so einen gewissen Neid auf die Leute, bei denen der Nikolaus einfach nur die Stiefel füllt.
Nachts.
Wenn alle schlafen.
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