Mittwoch, 2. Dezember 2009
Der Hausmeister und ich
Heute Nachmittag bin ich wieder in einer Grundschule in Viersen, deren Namen ich hier nicht nennen mag, oder darf.
Meine Aufgabe in dieser Schule ist es alles durcheinander zu bringen.
Dafür werde ich bezahlt.
Vom Staat persönlich.
NRW.
Projekt Kultur und Schule.
Und bei der feierlichen Ansprache vom Kultursekretär blieb mir folgende Äußerung besonders in meinem Gedächtnis haften:
"Haben sie Mut zum Chaos.Mut zum Scheitern.Bringen sie die verstaubten Schulsysteme durcheinander.Das ist ihre Aufgabe als Künstler."
Mann, das hörte sich richtig gut an.
Das Problem ist nur, dass in den Schulen diese Mutmachenden Äußerungen wohl nicht angekommen sind.
Mal ganz abgesehen von Direktoren/innen, die soo gerne ein vorzeigbares Endergebnis haben - nicht für sich, nein, sondern die Eltern, die mögen dieses prozessorientierte Arbeiten gar nicht.Und vielleicht noch den einen oder anderen kleinen, wirklich ganz kleinen Artikel an die Zeitung?
Nein, der wirkliche Kampf beginnt, wenn nachmittags der Hausmeister nebst Putzarmee die Schule unter seine Gewalt gebracht hat.
Jeden Donnerstag werde ich mit den Worten begrüßt:
"Sie schon wieder!"
Und dabei sieht er kein bisschen glücklich aus.
"Sie schon wieder" ist aber die netteste Begrüßung.
Oft werde ich folgendermaßen empfangen:
"Stellen sie sofort ihr Auto weg, oder ich lass sie abschleppen:"
"Ich muss doch nur eben was ausladen."werfe ich ein
"Sie bringen mir hier alles durcheinander!"
Aber das soll ich doch.
Weiß er das denn nicht???
Dann bin ich mit meinen Kindern ja immer auf der Suche nach nem passenden Raum.
Und ich gebe es zu.
Ich kann mir nicht so gut merken, wie die Stühle und Tische stehen.
Das ist eine echte Herausforderung.
Denn wehe, sie stehen bei Verlassen des Raumes nicht millimetergenau so da, wie ursprünglich- oje.
Ich bin sogar schon soweit die Räume beim betreten mit meinem Handy zu fotografieren.
Es gibt da noch so ein älteres Ehepaar, das die Schule reinlich hält.
Diese beiden würdigen mich keines Blickes.
Aber wenigstens schreien sie mich nicht an.
Strafen mich- wofür weiß ich auch nicht - mit eisiger Verachtung.
Wenn ich mit meiner Kinderschar fröhlich durch den Flur hüpfe, über Putzeimer hinweg, dann werden mir von ihrer Seite tödliche Blicke entgegen geschleudert - aber nur innerlich, denn sie schauen mich ja nicht an; der Hausmeister schießt aus einem Zimmer, schreit die Kinder und mich an:
"Sie schon wieder-in der Schule wird nicht gerannt-in der Schule wird nicht gelacht-und leise sein, und was haben sie jetzt schon wieder vor."
Und das ganze so, dass ich den Kindern am liebsten Kopfhörer überstülpen möchte.
Natürlich tue ich so, als würde mich das nicht erschüttern.
Ich muss schließlich ein gutes Beispiel für die Kinder sein.
In Sachen Mut, Rechtschaffenheit, Stärke, Selbstbewußtsein und Gewaltfreie Kommunikation.
Die Tage, als ich gerade zurückschreien wollte, ging ich stattdessen strahlend auf ihn zu.
Reichte ihm die Hand, erklärte ihm, dass ich dringend seine Hilfe bräuchte, unten im Keller, beim Overheadprojektor säße ne Schraube locker, und überhaupt sei es soo dunkel unten, und gruselig, und ob ich ihm überhaupt schon mal meine Arbeit erklärt hätte?Und gezeigt?Schattenspiel mit Farben und dreidimensional und ganz spannend...
Er veränderte sich in so einer rasenden Geschwindigkeit, dass ich es kaum glauben konnte.
"Hmmm, rrrr,ja was sagt denn da meine Frau, wenn ich mit ihnen in den Keller geh, hahahah..."
Er kam dann mit, schraubte tüchtig, lächelte allerliebst und ging,ohne mich anzuschreien.
Als er ging schwang ehrfürchtiges Schweigen im Raum.
So also muss man die Sache an gehen.
Schleimen, eins auf hilfloses Frauchen machen.
Egal, ist ja für nen guten Zweck.
Werd heute als Vorsichtsmaßnahme wieder ne Birne aus der Lampe rausdrehen und um Hilfe bitten.
Mit diesem armen Lächeln auf den Lippen.
Wenn das der Kultursekretär wüsste...
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