Donnerstag, 3. Dezember 2009

Vom Putzen...


Ich weiß ja nicht, wie das so in anderen Haushalten zugeht-
Bei uns ist das mit dem Putzen nicht so einfach.
Mal von den schlichten Fragen wie:
WER?
WIE?
WANN?
Und vor allem WESHALB abgesehen, ist es ja eine lästige, zeitaufwendige und undankbare Aufgabe.
Kaum getan, könnte man von vorne anfangen.
Ja, es gibt da diesen spirituell begründeten Gedanken von meditativem Putzen.
Von äußerer=innerer Ordnung und Reinigung.
Klappt bei mir nicht.
Hab ich probiert.

Es gab ja mal ne Zeit, da hatte auch ich eine Putzhilfe.
Das war auch nicht wirklich besser.
Erstens musste ich lernen die gestrenge Arbeitgeberin zu sein.
Jede erfahrene Putzhilfe hat mit sofort angemerkt, dass diese Rolle nur aufgesetzt war.
Und dann hat man verloren als Arbeitgeber.
Meine erste fleißige Hilfe- aus Polen kommend- wusste alles besser.
Nicht nur hinsichtlich hyghienischer Fragen.
Ich meine wirklich alles.
Von Stilleinlagen über Marxismus, von Haushaltsführung über Zwölftonmusik, von Waldorfpädagogik über Expressionismus.
Sie kannte sich überall aus, und teilte mir dies auch mit.
Dass sie bei mir putzte war eine große Ehre für mich.
Darum war es auch selbstverständlich, dass ich ihr mehrere großzügig bemessene Pausen zugestand.
Als sie mein sündhaft teures Parfüm zerbrach war mir auch klar:
Diese Frau kümmert sich nicht um solche Äußerlichkeiten wie Parfüms.
"Ist gewesen kleines Probefläschchen - mein Mann sagt immer - hast du nicht nötig zu putzen."
Und als sie durch meinen antiken Beistelltisch brach - ein Erbstück - empörte sie sich sehr.
"Warum hast du so alte Plunder? Mein Mann sagt immer: hast du nicht nötig so alte Plunder zu putzen."

Das wars dann.
Sie hat gekündigt.

Die Nächste kam mit einem Mercedes vorgefahren.
Der Rest der Familie wartete immer im Auto auf sie.
Mit laufendem Motor.
So schnell wie sie war niemand.
Aber ich musste ja auch vorarbeiten.
Kinderzimmer piccobello aufräumen, vorsaugen, Badezimmer waren eh tabu für sie...
Da hab ich dann gekündigt.

Die dritte im Bunde war so nett.
Und wahnsinnig belastet durch ihre Familie.
Ihr ältester Sohn saß momentan im Gefängnis.
Und sie hatte niemanden, der mit ihr da hinfuhr.
Und außerdem auch keine Zeit.
Natürlich bin ich mit ihr nach Siegburg gefahren.
Jeder anständige Mensch hätte das getan.
Und für mich wars ja auch ein Erlebnis.
Ich habe zugesehen, wie er das Geld, das sie bei mir verdiente - also dafür bekam, dass sie mich mitnahm zu ihrem Sohn - unauffällig in seinem Mund verschwinden ließ.
Wow.
Sowas kennt man ja sonst nur aus dem Kino.
Und ich dabei, sozusagen in erster Reihe.
Wir haben in dieser schweren Zeit ihm so manches vorbeigebracht.
Fernsehapperate, Musikanlagen, Berge von marokkanischem Essen.
Und es funktioniert.
Man soll es nicht für möglich halten, was so durch ne Kontrolle geht.
Aber eines Tages kam sie nicht mehr zu mir.
Ich weiß auch nicht warum.
Hab mich doch ehrlich bemüht.

Seitdem habe ich eingesehen- ich mache es lieber selber.
Auch jeder Ansatz meine Kinder zu ordentlichen und putzwütigen Menschen zu erziehen, erstirbt jedesmal im Keim.
Egal welche Wege ich suche-
Arbeitspläne
Listen
Bonuspunkte
Versprechungen
Bestechungen
Drohungen -
Es will einfach nicht funktionieren.

Die Armen haben ja auch besseres zu tun.
Telefonieren, YOU TUBE schauen, SMS Schreiben, Shoppen, Außerirdische überwältigen...

Ich werde halt doch noch mal den spirituellen Ansatz ausprobieren.
Meditative Reinigung.
Vielleicht war ich bislang einfach noch nicht soweit.

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