Montag, 21. Dezember 2009

Umzüge

In meinem bisherigen Leben bin ich ca. 17 mal umgezogen.
Nicht jeder Umzug war lustig.
Und ich mag auch nicht an jeden zurück denken.
Aber einer bleibt mir stets in lebendiger Erinnerung.
Mein Umzug von Freiburg nach Düsseldorf.

Bei einem Besuch bei meinem lieben Brüderlein beschloss ich kurzerhand ebenfalls nach Düsseldorf zu ziehen.
Ich vermisste ihn schmerzlichst, außerdem tut so ein kleiner Ortswechsel eh gut.
Damals war es noch einfach eine Wohnung zu finden.
Nach 2 Tagen stand ich da mit unterschriebenem Mietvertrag.
Der Umzug sollte 3 Wochen später von statten gehen.
Was war es doch geradezu spielerisch leicht den Krempel für nur eine Person zu verpacken.
Ich fing drum auch erst am selben Tag mit dem Packen an.
Und mietete einen Kleintransporter.
Mit Freunden gestalteten wir das Ganze zu nem richtigen Event.
Ner Umzugsparty.
Ich wohnte ganz romantisch im 6. Stockwerk.
Altbau.
WG.
Ohne Aufzug.
Einer meiner Helfer kam auf die grandiose Idee alles ab zuseilen.
Die Dinge, die dabei kaputt gingen, nun ja: Schicksal.
Eine Übungsmöglichkeit, sich von Überflüssigem zu trennen...
Trotzdem war der Transporter leider zu klein für meine Habseligkeiten.
Sodass ich mich im letzten Moment auch noch von meinem Bett trennte.
Ich ließ es einfach am Straßenrand stehen.
Wer braucht schon ein Bett?
Spießiger Kleinkram.
(Monatelang schlief ich dann auf ner defekten Luftmatratze.2 mal in der Nacht musste man nachpumpen.)
Gemeinsam mit meiner allerliebsten Renate und anderen Freunden gings dann Richtung Rheinland.
Den Transporter fuhr Eric.
Mein dauercooler "Bekannte" aus Guadeloupe.
Der durch nichts aus der Ruhe zu bringen war.
Dank seines genialen Geheimtipps den jeweiligen Morgen mit nem dicken Joint zu begrüßen, nahm er das Leben gelassen.
Er hatte alle Zeit der Welt.
Und nahm mich hin- und wieder zu seinem Freund Momo nach Mulhouse mit.
Dies waren stets amüsante Nächte,
die Jungs kochten jedesmal gigantische Fischeintöpfe.
Karibische Familienrezepte.
Das wirklich faszinierende war Momos Küche, in der sich diese Kochevents abspielten.
Er hatte statt eines Abfalleimers eine Abfallecke.
Dort schmiss er einfach alles hin.
Fischköpfe, Papier, Dosen, Post von der Abschiebebehörde.
Mein Hund liebt Momo und seine Küche, und während die Jungs dann bis in den Morgengrauen zugedröhnt Memorie spielten, und dabei gekonnt den einen oder anderen Fischkopf in die dafür vorgesehene Ecke schmissen, durchwühlte mein Hund die Küche.
Weiß gar nicht mehr so Recht was ich tat.
Was Eric arbeitete, weiß ich auch nicht mehr zu sagen.
Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich einmal mit laufendem Motor vor nem französischen Supermarkt auf ihn warten sollte.
Es war das Auto meines Papas.
Und der mochte es gar nicht, wenn man unnötigerweise den Motor laufen ließ.

Eric kam nach ein paar Minuten recht schnell wieder heraus.
Also schnell für seine Verhältnisse.
Und ich dachte kurz darüber nach, an was mich diese Situation erinnerte.
Bonnie und Clyde?
Wahrscheinlich ging mal wieder die Phantasie mit mir durch.
Sicher wollte er nur schnell heim zu Momo die Küche aufräumen...

Ja, und Eric fuhr also nun meinen Umzugswagen.
Ausgepackt waren die Siebensachen in Düsseldorf schnell.
Gemeinsam mit meiner liebsten Renate und ihrer Schwester wollten wir nämlich direkt weiter nach Hamburg.
"Cats" anschauen.
Eric sollte drum auch den geliehenen Wagen schnellstmöglichst zurück nach Freiburg bringen.

In Hamburg angekommen brauchten wir erstmal ein Hotel.
Und zwar ein Preiswertes.
Sehr preiswert.
Der freundliche Herr am Hafen empfahl uns dann auch eines.
Ein kleines, schnuckeliges Hotel in der Hafenstraße.
Und preiswert war es denn wirklich.
Unter dem Hotel lag eine dazugehörige Kneipe.
Als wir eincheckten lagen Hotel und Kneipe noch im Dämmerschlaf, doch bereits 2 Stunden später glaubten wir unseren Augen nicht zu trauen.
Wir waren in einem echten Stundenhotel gelandet.
Das merkten sogar wir Schwarzwaldmädels.
Aus irgendeinem Grund hat uns die Crew des Hotels ins Herz geschlossen.
Wahrscheinlich weil wir so naiv in die Welt schauten.
Wir sind dann auch gleich 3 Tage geblieben und haben Studien betrieben.
Haben aufm Klo der melancholischen Rosi Berge von Tempos gereicht und uns ihre Lebensgeschichte angehört.
Haben uns mit 2 Matrosen angefreundet, die ihre feste Bleibe in dem Schuppen hatten.
Wenn sie nach Monaten auf See nach Hamburg kamen.
Haben ne Menge gelernt über die christliche Seefahrt, und unglaubliche Geschichten über die 7 Meere gehört.
Ob Seemannsgarn oder nicht - wir waren fasziniert.
Wurden wir blöd angebaggert standen Hänschen und Kurt zur Stelle.
Nachts sind wir vor dem Schlafengehen wie die Wahnsinnigen auf unserer Matratze rumgehopst, um dem Lärmpegel der um uns herumliegenden Zimmer was entgegenzusetzen.
Es war wie im Film.
Und zwar in ner Billigproduktion.
Zuhälter sahen wirklich aus wie Zuhälter.
Also so, wie man sie aus dem Film kennt.
Schmierige Haare, dicke Schlitten, Ledermäntel, Kampfhund.
Die Mädels waren auch zu erkennen.
Und sie waren verdammt nett zu uns.
Wir Schwarzwaldmädels waren einfach so gar keine ernstzunehmende Konkurrenz.
Wollten wir ja auch nicht.
Brutal aus dieser Idylle herausgerissen hat mich nur der Anruf bei meiner Autofirma.
Eric war nämlich nie mit dem Auto in Freiburg angekommen.
Als ich ihn dann endlich Tage später erreichte, meinte er auch nur ganz cool."Ich war in Marseille, Baby, da hab ich nen Freund. Wo ist das Problem?"
Naja, auf die 300 Mark kams ja wirklich nicht an.
Immer cool bleiben.
Dafür hatten wir ja ein billiges Hotel gefunden.
Und die Versicherung von Hänschen und Freunden, dass sie uns von nun an überall auf der Welt zur Seite stünden.
Ein Anruf würde genügen.
Und das ist doch wohl was wert!





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